
Die in dem vorliegenden Gedicht beschriebene Erfahrung des Realitätsverlustes und des Wunsches nach einem Halt, läßt deutlich autobiographische Züge erkennen.
Das nach Hilde Domins Rückkehr aus dem Exil entstandene Gedicht ist die lyrische Verarbeitung des Gefühls "aus der Fremde in die Heimatfremde zurückzukehren", wie Hilde Domin es einmal selbst ausdrückte. Das Bild der "Rose als Stütze könnte sich auf die Sprache und den Halt den das lyrische Ich in ihr findet, beziehen.
Gleich in der ersten Zeile beschreibt das lyrische Ich einem von ihm selbst ausgehenden entschlossenen Vorgang. Diese Entschlossenheit drückt sich in den einfachen Worten (einrichten, Zimmer) und dem Gebrauch des Präsens aus. Es handelt sich nicht um etwas Vergangenes oder nur Mögliches, sondern um etwas Reales, auch wenn das Bild des Zimmer in der Luft zunächst als etwas Unrealistisches erscheint. Die lautmalerische Häufung des Lautes i verstärkt den ichhaften Charakter der Handlung, es wird eine gewisse Klarheit und Leuchtkraft zum Ausdruck gebracht.
Das Bild der Akrobaten und Vögel, unter denen sich das lyrische Ich sein Zimmer einrichtet, sagt etwas über das lyrische Ich selbst aus. Es empfindet eine Zugehörigkeit sowohl zu den Akrobaten, also Künstlern, die die Menschen durch Kunststücke begeistern und sie in eine Spannung versetzen, als auch zu den Vögeln, also den Tieren, die sich den Elementen Licht und Luft am stärksten angepasst haben.
Der auf den Doppelpunkt in Zeile zwei folgende Satz drückt in dreifacher Weise etwas Schwebendes aus: Erstens befindet sich das Bett zusammen mit dem Zimmer in der Luft, es müßte also nach unserem Alltagsverständnis sofort herunterfallen. Zweitens steht das Bett aber noch "auf dem Trapez des Gefühls", also auf einer Schaukel, die hohes Balanciervermögen verlangt, wenn man auf ihr einigermaßen sicher stehen möchte, das Gefühl bietet keine sichere Grundlage. Dieser Zustand wird noch verglichen mit einem Nest im Wind auf der äußersten Spitze des Zweiges, einem Bild höchster Unsicherheit und Gefährdung; denn es ist deutlich, dass sich das Nest nicht wird halten können, wenn der Wind die äußerste, keinerlei feste Grundlage mehr bietende Spitze des Zweiges in Bewegung versetzt. Der dritte Punkt bezieht sich auf die grammatikalische Ebene des Gedichts: Der Satz in Zeile drei bis vier ist elliptisch, ihm fehlt das Verb, wodurch er selbst gewissermaßen schwankend wird. Der fehlende Bezugspunkt (in einem Satz eben meistens das Prädikat) findet sich also auch auf der formalen Ebene wieder.
In der zweiten Strophe beschreibt das lyrische Ich, wie es sich zu seinem Bett eine Decke kauft. Es vergleicht die Schafe, aus deren "zartester Wolle" die Decke gemacht ist, mit "schwimmenden Wolken, die über die feste Erde ziehn". Der Vergleich mit dem Wolken bezieht sich wieder auf die Luft, in der sich das lyrische Ich sein Zimmer eingerichtet hat. Das Bild "im Mondlicht" verbindet die Schafe und dasjenige mit dem sie verglichen werden, den Wolken. Es steht auch genau in der Mitte der zweiten Strophe. Das lyrische Ich gebraucht das eigentlich romantische Bild der Mondnacht um eine Stimmung des Unrealen herzustellen. Nicht im Licht des Tages erscheinen die Dinge, sondern im dem eigenartig silbrigen Glanz der Mondnacht, in dem alles unrealer wirkt als bei Tag.
Deutlich ist, dass das lyrische Ich versucht das in der ersten Strophe aufgebaute Bild realitätsnäher werden zu lassen, indem es sich zu dem Bett eine Decke kauft, welche dem gesamten Bild etwas realistischeres geben soll. Ob dies gelingt, bleibt jedoch aufgrund des ambivalenten Begriffs "im Mondlicht" fragwürdig.
In der dritten Strophe wird die Decke als das Vlies der verläßlichen Tiere beschrieben. Die in der zweiten Strophe beschriebene Qualität des Zarten (aus der zartesten Wolle) wird nun erweitert durch etwas Schutzgebendes, "Verläßliches". Die V- Alliteration verstärkt noch das Weiche und einhüllende der Decke. Mit ihrer Hilfe versucht das lyrische Ich nun sich abzuschirmen, sich vor der Realität zu verschließen. Die Wörter Sand, kleine Hufe, Klicken, Riegel und Stalltür vermitteln dem lyrischen Ich ein Gefühl der scheinbaren Realitätsbezogenheit und Sicherheit. Wie die Schafe am Abend eingeschlossen und dadurch beschützt werden, hofft das lyrische Ich durch die Decke aus der Wolle der Schafe beschützt und eingehüllt zu werden.
In der vierten Strophe wird dieses Gefühl der Sicherheit jedoch als illusorisch entlarvt, denn das lyrische Ich befindet sich ja gar nicht in einem Stall in dem es durch eine Tür mit Riegel geschützt ist, sondern es liegt in Vogelfedern, also in dem Vogelnest mit dem das "Bett auf dem Trapez des Gefühls" in der ersten Strophe des Gedichts verglichen wurde.
Dem lyrischen Ich ist schwindlig, es wird in seinem schwankenden Bett "ins Leere gewiegt". Es kann nicht einschlafen, der in der zweiten Strophe erträumte Ruhezustand tritt nicht ein. Die Existenzkrise des lyrischen Ich eskaliert, es sucht einen Halt "und findet nur eine Rose als Stütze".
Auf diese Wendung ist das ganze Gedicht, wie schon der Titel andeutet, hinorientiert. Die ersten drei Strophen beginnen alle mit dem Wort "Ich", und es folgt jedesmal ein einfaches klares Verb, mit dem dieses "Ich" seine Tätigkeit beschreibt (richte, kaufe, schließe). Nur in der letzten Strophe wird dieses strenge, das Gedicht beherrschende Bauprinzip leicht variiert. Schon in der dritten Strophe taucht das Wort Ich am Zeilenanfang zweimal auf, das zweite Mal mit einer anderen Qualität, da es nun heißt "Ich will", also ein Entschluß zum Ausdruck kommt, während die vorhergehenden Male ja einfach eine Tätigkeit konstatiert wurde. Dieser Wunsch, bzw. eher das, was das lyrische Ich krampfhaft zu erreichen sucht, wird durch das Wort "Aber", mit dem die vierte Strophe beginnt, negiert. In diesem kritischen Moment findet sich die Rose als "Stütze".
Betrachtet man das Bild der Hand, die einen Halt sucht (die Alliteration macht hier den Zusammenhang der beiden Wörter deutlich), scheint es angemessen, die Rose, welche als Stütze wirkt, als ein Bild für die Sprache zu bezeichnen. Denn es ist ja die Hand mit der der Mensch schreibt, und mit der der Lyriker seine Gedichte zu Papier bringt und sie so der Öffentlichkeit präsentieren kann. Gerade Hilde Domin empfand ja die Sprache als dasjenige, was ihr im Exil einen Halt, eine Stütze gab, und diese "Sprache als Stütze" wird für Hilde Domin angesichts der schwierigen Heimkehr nach Deutschland um so wichtiger. Ohne das Band der Sprache, das sie mit den Deutschen "verband", wäre ihre Rückkehr aus dem Exil nicht in der Weise möglich gewesen, wie es tatsächlich geschah.
Vergleicht man die Rose mit der Sprache so zeigt dies auch die blumenhafte Zerbrechlichkeit der Sprache. Sie stellt keine feste, sichere Stütze dar, sondern muß behutsam behandelt werden.