Oxymoron, das: (gr. scharf+dumm = scharfsinnige Dummheit) reth. Verb. zweier Begriffe, die sich dem Wortsinn nach widersprechen und gegenseitig ausschließen
( contradictio in adiecto = Widerspruch im Beiwort)
= bittersüß (Schottel); jauchzender Schmerz (Heine); schwarze Milch (Celan)
Anantapodoton, das: (gr. das Nichtzurückgegebene) Sonderform des Anakoluth, bei der von korrespondierender Konjunktion nur das erste Glied vorhanden ist. (particula pendens)
= Zwar (aber), sowohl (-als auch)
Aprosdoketon, das; (gr. Unerwartetes) unerwartet gebrauchtes Wort bzw. Ausdruck anstelle der erwarteten, geläufigen; dient der absichtlichen Täuschung geweckter Erwartung.
= Noch einmal möcht ich dich sehen
Und sinken auf die Knie,
Um sterbend noch zu rufen:
"Madam ich liebe Sie!" (Heine)
Sie hassen sich wie sich nur Brüder hassen! (Nietzsche)
Paraklausithyron, das: (gr. Klagelied) Klagelied des ausgeschlossenen Liebhabers, antike Gattung der Liebeslyrik.
= Alkaios, Aristophanes; Catull, Horaz u.a.
Homoioprophoron, das: (gr. Gleichlautendes) Alliteration
Pluralis modestiae, der = Einbeziehung z.B. des Lesers
Exegese, die: (gr. Auseinandersetzen) Auslegung, deutende Erklärung eines Textes. (Allegorese, Hermeneutik, Interpretation u.ä.)
Epiploke, die: (gr. Anknüpfung) Wiederaufgreifen des Prädikats eines Satzes durch das Partizip des gleichen Verbums in Folgesatz. (Polyptoton)
= Und schließlich machte er sich auf den Weg. Auf den Weg sich machend, dachte er....
Synekdoche, die: (gr. Mitverstehen) Ersetzung eines Ausdrucks durch einen zu seinem Bedeutungsfeld gehörenden engeren ( pars pro toto) oder weiteren (totum pro parte) Ausdruck; Grenzen zu Metonymie fließend.
= Dach für Haus, Kopf für Person, Sterblicher für Mensch; wir für ich (Pluralis majestatis bzw. Pluralis modestia)
Synopsis, die: (gr. Zusammenschau) allg: knappe Übersicht, Zusammenfassung
bes: parallele Widergabe verschiedener Fassungen u.ä. von literar. Werk
Aposiopese, die: (gr. Verstummen) rhet. Figur: bewußtes Abbrechen der Rede vor der entscheidenden Aussage (Ellipse) oft als Drohung.
Antropomorphisierung: Vermenschlichung von Dingen und Tieren durch Verbindung mit nur dem Menschen vorbehaltenen Verben oder Adjektiven u.ä. (Personifikation)
= Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen (Alfred Lichtenstein)
Antiptose, die: (gr. gegen +Fall) Ersetzung eines Kasus durch einen anderen
= wegen meiner - wegen mir, trotz dem - trotz dessen
auktorialer Roman: Roman, in dem "auktoriale Erzählsituation" vorherrscht, d.h. der alleswissende Erzähler souverän als "Schöpfer" über seinen Stoff verfügt.
= R.Musil, Der Mann ohne Eigenschaften (1930); Th. Mann, Der Zauberberg (1924); u.a.
Bibliotaph, der: (gr. Büchergrab) heimmlicher, ausleihfeindl. Buchbesitzer
Deprecatio, die: (lat. Anrufung) rhet. Figur: Anrufung einer (meist abwesenden Person oder Sache mit der (flehentl.) Bitte um Mitgefühl, Verständnis u.ä. in schwieriger Situation.
Dinggedicht: Gedicht, das "Ding" (Gegenstand, Lebewesen) distanziert und "objektiv" beschreibt; häufig sprachliche Nach- und Neuschöpfung von Werken der bildenden Kunst; Gültigkeit des Begriffs umstritten, da es sich wohl weniger um Objektivierung als um einfühlende Subjektivierung eines Objekts handelt.